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SNEAKER-LEGENDEN: NIKE DUNK

Nike Dunk

Der Nike Dunk ist ein Sneaker, der ein Schmelztiegel von Basketball und Skateboarding wurde und dabei gleichzeitig Kultur, Musik und Fashion verbinden konnte. Seit seinem Release 1985 bis heute gleicht die Beliebheit des Dunks einer Achterbahn. Manchmal der heißeste Sneaker im Game und zu anderen Zeiten komplett unbeachtet. In diesem Blogpost soll es um die Entwicklung einer der OG Sneaker-Modelle gehen.  

Als zweitbeliebtester Schuh, der 1985 debütierte – nach dem Jordan I – war der Dunk nie als Flaggship-Modell gedacht. Stattdessen war er ein Basketballschuh für College-Athleten und deren Fans. Designed von Peter Moore (der auch den Air Jordan 1 designte) war der Dunk eine Weiterentwicklung des Air Force 1 mit Einfluss des Air Jordan 1s und des Nike Terminator. Auch wenn von einigen behauptet wird, dass der AJ1 Inspiration vom Dunk gezogen hat, kam der Dank tatsächlich etwas später raus als das Jordan Modell. 

Der eigentliche Name sollte College Color High lauten, da aber der 40. Geburtstag des ersten “Slam Dunk” ins selbe Jahr fiel, wurde der Name in letzter Minute geändert. Der denkwürdigste Aspekt des Sneakers war vorerst seine Marketingkampagne “Be True To Your School”, die sich als bis dahin erfolgreichste Werbekampagne der Marke durchsetzen sollte. 

Wie “College Color” schon andeutet, wurde der Nike Dunk als Schuh für College-Basketballteams entwickelt. Das Konzept war einfach: Man sponsert erfolgreiche College-Teams der Liga  und stattet die Spieler mit farblich abgestimmten Turnschuhen aus. Anschließend vermarktet man die gleichen Schuhe auf dem jeweiligen Campus, damit die Fans mit den All-Stars ihrer Schule mitlaufen können. Teams wie UNLV, Michigan, St. John’s, Syracuse, Iowa und Kentucky (neben anderen) erhielten alle die “Be True”-Behandlung. Es war ein durchschlagender Erfolg.

In den 90ern erfreute sich Basketball immer größerer Beliebtheit und und es wurden immer mehr Basketball-Schuhe released. Es wurde stetig an der Technologie neuer Sneaker gearbeitet, die den Dunk überholten und so wurde der Sneaker bald nicht mehr auf dem Platz gesichtet. Dennoch blieb er ein zuverlässiger Freizeit-Sneaker, der im Laufe des folgenden Jahrzehnts subtile Änderungen bekam, darunter eine Nylonzunge zur Gewichtsreduzierung, ein kürzerer Schaft und ein größerer, dickerer Swoosh.

Daraus entstand zufällig, dass der Sneaker für eine komplett andere Zielgruppe interessant wurde. Die Änderungen machten den Dunk zu einem gut geeigneten Schuh zum Skaten und wurden am Anfang der 90ern an den Füßen von bekannten Skatern gesichtet. Aber obwohl die Dunks zum Synonym für die prägenden Figuren der Skateszene wurden, sollte es mehr als ein Jahrzehnt dauern, bis Nike erfolgreich in die Branche eindringen konnte.

1999, nach 14 Jahren, brachte Nike das “Be True to Your School”-Pack zum ersten Mal wieder auf den Markt und fügte eine Reihe von zusätzlichen Colorways hinzu. Von den Neuerscheinungen war der berühmt-berüchtigte Wu-Tang Dunk die mit Abstand bedeutendste. Eigentlich nur eine Sonderedition des Iowa Dunk mit einem aufgestickten “Wu W” an der Ferse, hat Nike das Design umgestaltet und 36 Paar hergestellt – eine Anspielung an das essentielle Album “Enter The Wu-Tang (36 Chambers)” – die an Mitglieder und Partner des Wu-Tang Clans verschenkt wurden. Wie man weiß, sorgt Verknappung für Hype und so wurde der Schuh zu einem der wertvollsten und begehrtesten Dunks auf dem Markt und werden für zehntausende von Euro verkauft. 

Anfang der 2000er wurde die Sneaker-Kultur immer populärer und mit Internetforen wie “NikeTalk” wurde es einfacher für die Sneakerfans regionale Release zu verfolgen. Daraus entstand eine Art “Sneaker Tourismus”, wo die Leute von Stadt zu Stadt fuhren um die neuesten Dunks zu kaufen. Sogar CO.JP-Releases (Dunk-Farbvarianten exklusiv für Japan) waren plötzlich auf dem Radar. Teilweise angeführt von Ikonen der japanischen Streetwear, Hiroshi Fujiwara, waren die CO.JP-Exklusivmodelle so verlockend, dass eifrige Fans buchstäblich um den ganzen Globus reisten, um ein Paar zu ergattern. Es folgten zahlreiche Kollaborationen mit erfolgreichen Streetwear-Labels wie Stüssy und Supreme, die den Dunk in das Zentrum der Sneakerhead Kultur rückten. Mitte der 2000er, als das Interesse an Jordan-Retros wieder auflebte, geriet der Dunks allerdings ins Wanken. Trotz der “Be True”-Retros in den Jahren 2003 und 2012 verloren die Verbraucher größtenteils das Interesse an der Silhouette. Andererseits explodierte sein skatespezifischer Cousin.

2001 machte Nike es sich nämlich zur Aufgabe das angeschlagene Sneakergeschäft wiederzubeleben. Obwohl Skater schon seit Jahren Nike Dunks und Jordan Is trugen, gelang es Nike nicht, eine erfolgreiche Skateboarding-Abteilung aufzubauen. Die Lösung lautete deshalb nicht eine komplett neue Silhouette zu entwerfen, sondern subtile Änderungen an einem Sneaker vorzunehmen, der bereits bei Skatern beliebt war. Es wurde entschieden den klassischen Dunk zu nehmen, die Einlegesohle zu polstern um den Aufprall zu reduzieren. Die Außensohle wurde gegen ein dickeres Gummi ausgetauscht, die besser für die Traktion auf Griptape geeignet ist. Die auffälligste und coolste Änderung war jedoch die “Fette Zunge”, die anstelle der Nylonzunge kam. Der SB Dunk sicherte nicht nur den Platz von Nike in der Skate-Industrie, sondern überbrückte auch die Lücke zwischen Sneakerhead-Kultur, Streetwear und Skateboarding.

Der Dunk erreichte ein so hohes Level an Hype, dass beim Release des Dunk SB Pigeon in Manhattan die Polizei anrücken musste um die Leute zu schützen, die einen Schuh ergattern konnten. Der “Pigeon Dunk Aufruhr” war nicht nur ein Meilenstein für den SB Dunk, sondern machte landesweit Schlagzeilen und gilt als der Moment, in dem die Sneaker-Kultur zum Mainstream wurde. Plötzlich war eine einstige Nischen-Subkultur – das Sammeln von Nike-Sneakern – in aller Munde und der Nike Dunk stand im Zentrum des Geschehens.

Der Hype um den Dunk ging noch einige Zeit so weiter bis die Bubble irgendwann Anfand der 2010er geplatzt ist. Modelle, die vor einigen Jahren noch vierstellig verkauft werden konnten, waren plötzlich so gut wie nichts mehr wert. Sei es der veränderte Geschmack oder der Aufstieg neuer Sneaker-Linien (wie Yeezy), aus irgendeinem unerklärlichen Grund waren Schuhe, die einst als “Grail” galten, nicht mehr im Gespräch.

Die Aufmerksam wurde ab 2015 wieder langsam auf den Schuh gelenkt, als Nike die “Be True To Your School” Pack re-releasede. Ein Jahr später brachte Comme des Garçons Dunk High in schwarz/teal/weißem Colorway mit transparenten PVC-Obermaterial auf den Laufsteg. Die Schuhe waren zwar kein großer Hit (was auch am Pricetag von 400 Euro liegen könnte) aber sie waren ein Indiz dafür, dass der Dunk bald sein Comeback erwarten könnte. 

Etwa zur gleichen Zeit begann der Trend zu Vintage-Sneakern ernsthaft. Da die Fans die nicht enden wollenden Retros und den zyklischen Drop-Zyklus satt hatten, versuchten viele, die echten OGs aufzuspüren – vor allem die Jordan Is von 1985, aber auch die Vintage Dunks. Von den 99er “Be True to Your School” Kentucky Dunks bis hin zu den A.P.C. Dunks zeigten stylische Sneakerheads plötzlich jahrzehntealte Sneaker als Zeichen ihres Stolzes. Natürlich hat die High-Society das bemerkt, und schon bald waren alle von Virgil Abloh bis Kim Jones auf der Jagd nach diesen Vintage-Silhouetten. So entstand 2019 eine Kollaboration von Virgil und Nike, in der die “Be True”-Modelle wie UNLV, Michigan and Celtics, aufgepimpt wurden. Travis Scott hat den Hype wieder auf seinen Höhepunkt gebracht.  Als bekannter SB-Fan wird Scott regelmäßig in einigen der seltensten SB Dunks draußen gesichtet und stellt einer neuen, jüngeren Generation von Fans Schuhe vor, die sie weitgehend verpasst haben. Er entwarf sogar einen exklusiven ‘Cactus Jack‘ SB Dunk als Teil seiner Zusammenarbeit mit Nike. Jetzt sind viele der begehrtesten Dunks wieder im Preis gestiegen, und Schuhe, die 2016 weniger als 100 Euros wert waren, werden für Tausende verkauft.